Frühling

Das Scharbockskraut

Ein Teppich aus Scharbockskraut © Marcel Gluschak
Ein Teppich aus Scharbockskraut © Marcel Gluschak

An diesen Tagen kann man an schattigen Plätzen in Wäldern und Parks Teppiche herrlich gelb leuchtender Blumen entdecken. Diese Pflanzen schenken uns nicht nur ein optisches Naturschauspiel – sie verhalfen unseren Vorfahren, nach den kargen Monaten des Winters ihren Vitaminbedarf wieder zu decken: das Scharbockskraut (Ficaria verna; auch Ranunculus ficaria).

Bei genauer Betrachtung sehen wir fleischige, annähernd herzförmige Blätter mit langen Stielen, die sich oft nach unten neigen. Die Blüte hat acht bis elf Blütenblätter und drei Kelchblätter. Ein glänzender Fettfilm lässt sie im Sonnenlicht prächtig glänzen. Die Pflanze wirkt krautig. Kurz nach der Blütezeit, etwa ab Mai, werden die Laubblätter welken und das Scharbockskraut wird seine oberirdischen Pflanzenteile einziehen. Es bildet dann spindelförmige Wurzelknöllchen, die als unterirdisches Überdauerungsorgan dienen.

Scharbockskraut © Marcel Gluschak
Das Scharbockskraut gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse © Marcel Gluschak

Auch wenn man es aufgrund der ganzrandigen Blattform nicht vermuten würde: Das Scharbockskraut gehört zur Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Gerne unter Bäumen versammelt, zeigt es nährstoffreiche und feuchte Standorte an. Der botanische Name Ranunculus kommt aus dem Lateinischen und bedeutet “Fröschchen”. Vermutlich ist er auf den bevorzugten Standort der meisten Hahnenfußarten zurückzuführen, nämlich feuchte Standorte – eben dort, wo auch Frösche leben.

Mit den Hahnenfußarten der Gattung Ranunculus – hierzu gehören zum Beispiel der Brennende, der Kriechende und der Knollige Hahnenfuß – ist das Scharbockskraut jedoch nicht näher verwandt. Ungeachtet dessen bezeichnen wir alle diese glänzend gelben, krautigen Frühlingsblumen volkstümlich gerne als “Butterblumen” – darunter fallen neben dem Scharbockskraut und verschiedenen Hahnenfußarten zum Beispiel auch die Sumpfdotterblume und die Trollblume.

Für unser Auge wirken die Hahnenfußblüten reingelb. Doch viele Insekten, die ultraviolettes Licht sehen können, erkennen hier Markierungen (Saftmale), die den Weg zum Blütenboden weisen. Auch das Scharbockskraut nutzt diese Strategie. Die Insekten gelangen so an den Nektar, und nebenbei berühren sie die zahlreichen Staubblätter – das Wunder der Bestäubung nimmt seinen Lauf.

Das Scharbockskraut blüht leuchtend gelb © Marcel Gluschak

Doch was ist eigentlich ein “Scharbock”? Mit Ziegen hat der eigentümliche Name nichts zu tun. “Scharbock” ist eine alte Bezeichnung für die Vitaminmangelkrankheit Skorbut. Da die Scharbocksblätter sehr viel Vitamin C enthalten, wurde sie in früheren Zeiten von den Menschen als Kraftquelle nach dem entbehrungsreichen Winter sehr geschätzt. Die Pflanze wurde deshalb sogar auf längeren Seefahrten mitgeführt. Der aus den Wurzelknöllchen gepresste Saft wiederum soll gegen durch Viren verursachte Feigwarzen helfen – daher wird das Scharbockskraut auch “Feigwurz” genannt.

Scharbockskraut © Marcel Gluschak
Das Scharbockskraut mag schattige, feuchte Standorte © Marcel Gluschak

Die Blätter und Blütenknospen sollten jedoch nur vor der Blütezeit (März bis April) gesammelt und verzehrt werden. Nach der Blüte nimmt der Anteil des unverträglichen Protoanemonins in den Blättern zu, was zu Reizungen der Schleimhäute führen kann. Rechtzeitig geerntet, lassen sich jedoch wunderbare, Vitamin C-reiche Kräutermischungen, Salate und Pasten daraus zubereiten. Die kleinen Brutknollen, die wie winzige Kartoffeln oder auch wie Getreidekörner aussehen, sind ein wertvolles Notzeitgemüse und schmecken roh nussig.

Zwei Handvoll Scharbocksblätter, ein halber Apfel, eine halbe Knoblauchzehe, ein Esslöffel gemahlene Mandeln und etwas Salz und Pfeffer ergeben zum Beispiel einen köstlichen und gesunden Brotaufstrich. Ein perfekter Energieschub gegen Frühjahrsmüdigkeit.

Ich arbeite beim WWF Deutschland und bin dort zuständig für das Jugendprogramm. Nebenberuflich absolviere ich eine Ausbildung zum Naturerlebnispädagogen bei CreNatur sowie zum Wildnispädagogen bei der Wildnisschule Hoher Fläming. Ich liebe es, in der Natur unterwegs zu sein, ob zu Fuß, im Kanu oder mit dem Fahrrad. Es vergehen schnell Stunden, in denen ich mich ausdauernd in der Naturfotografie ausprobiere oder einfach den Moment genieße, beobachtender Teil der Natur zu sein. Achtsamkeit, Respekt für die Natur und Begeisterung für ihre Schönheit liegen mir sehr am Herzen.

5 Kommentare

    • Marcel Gluschak

      Dankeschön für das nette Feedback. Ja, ein eher unscheinbares Gewächs, wie du sagst, und doch voller Überraschungen. Übrigens sind die Knöllchen auch eine Leibspeise der ‘eher unscheinbaren’ Waldbewohner – Man nennt sie auch “Zwergenkartoffeln”. 🙂

  • Cristina Camarata

    Ein sehr schöner und lehrreicher Beitrag über die herrlichen gelben *Sternchenteppiche*, die wir in jedem Frühjahr so bewundern. Sie verzaubern jedesmal den Waldboden und nun weiß ich endlich, was sie noch alles können. Der botanische Name 🐸 ist hübsch und die Heilwirkungen und der Vitamingehalt sind erstaunlich. In der Natur ist eben alles nicht nur schön anzusehen, sondern auch wertvoll und sinnvoll. Für die armen Leute früher war es sehr wichtig, solche Nahrungsmittel quasi gratis zu bekommen, aber ich persönlich würde jetzt aus Respekt vor der Natur die Heilkräuter und Pflanzen wohl lieber in der Natur belassen und mich so daran erfreuen. Dass das Scharbockskraut feuchte und nährstoffreiche Standorte bevorzugt und anzeigt, das macht es in Zeiten von Klimawandel, Dürre in den Wäldern um so wertvoller und wichtiger. Solange es vorhanden ist, ist das wohl ein gutes Zeichen. Ist es denn auch für andere Tiere als Insekten eine Nahrungsquelle?

    • Marcel Gluschak

      Ich habe hierzu nur herausgefunden, dass die Pflanze von Insekten sehr stark genutzt wird. Sobald es blüht, entsteht das Gift Protoanemonin, das z.B. für Pferde giftig sein kann. Daher haben Pferdebesitzer das Scharbockskraut nicht gerne auf ihren Weiden. Getrocknet im Heu ist Scharbockskraut jedoch ungefährlich.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.