Sommer

Kleiner Fuchs – der farbenfrohe Trommler

Kleiner Fuchs © Marcel Gluschak
Kleiner Fuchs auf einer Ackerkratzdistel © Marcel Gluschak

Bunt, schillernd, tänzelnd – Schmetterlinge gelten als die “fliegenden Edelsteine”. Und wir haben das Glück, bei uns an die 3.700 verschiedenen Arten bewundern zu können. Die allermeisten bekommen wir im Alltag nicht zu Gesicht, da sie vor allem nachts und im Verborgenen unterwegs sind. Nur etwas mehr als 180 Arten gehören zu den Tagfaltern. Einer davon ist der Kleine Fuchs. Er ist recht häufig und begegnet uns von März bis Oktober auf Wiesen, an Wegesrändern, in Streuobstwiesen, Parks und in naturnahen Gärten.

Der Kleine Fuchs (Aglais urticae) ist gut auszumachen: Seine Flügeloberseiten haben eine orange Grundfärbung, wobei der Flügelansatz, besonders der Hinterflügel dunkelbraun ist. Charakteristisch ist sein Muster aus schwarzen, gelben und weißen Flecken am vorderen Rand der Vorderflügel. Und dicht am äußeren Flügelrand erkennen wir einen Saum von kleinen blauen Punkten.

Vorsicht: Der Kleine Fuchs und der Große Fuchs (Nymphalis polychloros) sehen einander ähnlich. Allerdings ist der Große Fuchs deutlich größer und seine Färbung ist weniger lebhaft als die des Kleinen Fuchses. Beide sind Tagfalter der Familie der Edelfalter (Nymphalidae).

Wie aus einer Raupe ein Falter wird

Das Leben der Schmetterlinge gehört zu den erstaunlichsten Naturwundern. Zunächst verbringen sie ihr Dasein als gefräßige Raupe, um sich dann zu verpuppen und sich letztlich in einen eleganten Flugkünstler zu verwandeln. Während dieser Metamorphose zersetzt sich die Raupe fast vollständig selbst. Eigene Verdauungssäfte bauen nahezu alle Körperteile ab – nur wenige Prozent des ursprünglichen Gewebes überleben. Aus diesen wenigen Zellen wächst dann auf wundersame Weise ein neues Wesen heran, das sich schließlich unter enormer Kraftanstrengung aus dem Puppenmantel befreit.

Ein komplett verändertes Leben: Nun ist die ehemalige Raupe eine schwirrende Farbenpracht, festlich gekleidet, auf der Suche nach einem Gegenpart, um sich fortzupflanzen. Viele Schmetterlinge haben dann keine funktionierenden Mundwerkzeuge mehr, wie zum Beispiel das Kleine Nachtpfauenauge. Sie nehmen keine Nahrung mehr auf und leben nur von den wenigen Reserven aus ihrem Raupenleben. Ihnen bleiben daher nur wenige Tage, um sich fortzupflanzen. Beim Kleinen Fuchs ist das anders: Er kann sich auch im erwachsenen Stadium ernähren und überwintert sogar als ausgewachsener Schmetterling.

Kleiner Fuchs auf einer Distelblüte © Marcel Gluschak
Kleiner Fuchs auf der Suche nach Nektar © Marcel Gluschak

Die Raupen ernähren sich zunächst ausschließlich von der Großen Brennnessel. Daher auch der Name Aglais urticae, der sich vom lateinischen “Aglaie” (“Glanz”, “Pracht”) ableitet, sowie vom lateinischen “urtica”, dem Namen der Brennnessel. Im Mai legen die Weibchen ihre Eigelege an der Blattunterseite der Brennnesseln ab. Um der Konkurrenz aus dem Wege zu gehen, beschränkt sich der Kleine Fuchs auf sonnige, lufttrockene Brennnesselbestände. Diese werden wiederum z.B. vom Tagpfauenauge gemieden.

Wegen seiner Vorliebe für Brennnesseln wird der Kleine Fuchs auch “Nesselfalter” genannt. Als ausgewachsener Falter ernährt er sich allerdings vom Nektar zahlreicher anderer Pflanzen. Häufig besucht er den Wasserdost, die Kratzdistel und die Silberdistel, in hohen Lagen den Alpen-Milchlattich, den Alpendost und – passenderweise – das Fuchs-Greiskraut.

Anders als andere Falter übersteht ein Kleiner Fuchs sogar den Winter

Nachdem sie sich etwa einen Monat an der Brennnessel satt gefressen haben, verpuppen sich die Raupen des Kleinen Fuchses in einer braunen oder hellgrünen Stürzpuppe. Diese Puppe hat mehrere Dornen und weist golden-metallische Flecken auf. Dieser Schmuck hilft jedoch kaum dabei, Fressfeinde abzuschrecken. Die Puppen des Kleinen Fuchses werden gerne von Vögeln gefressen.

Doch wenn alles gut geht, schlüpft nach ein bis zwei Monaten – das hängt stark von der Umgebungstemperatur ab – der flugfähige Schmetterling. Das Wunder der Metamorphose vom Ei bis zum fertigen Edelfalter wird in diesem Video schön gezeigt. Es beginnt mit dem Gelege, das aus bis zu 100 winzigen Eiern bestehen kann, und endet mit dem prächtigen Falter, der eine Flügelspannweite von bis zu 5 cm erreicht.

Kleine Füchse sind Wanderfalter. Sie unternehmen innerhalb ihres Verbreitungsgebietes kürzere Ortswechsel. So fliegen sie beispielsweise im Herbst oftmals aus dem Gebirge in die wärmeren Tieflagen und die nächste Generation im Frühsommer wieder zurück. Den Winter überdauert der Kleine Fuchs wie das ebenfalls zu den Edelfaltern gehörende Tagpfauenauge (Inachis io) an geschützten Orten wie Kellern, Dachböden, Garagen oder auch in natürlichen Verstecken. Wird es ungewöhnlich warm, kann man sogar an Wintertagen den Kleinen Fuchs fliegen sehen.

Erstaunliches Revierverhalten und liebestoller Trommelwirbel

Das würde man bei grazilen Schmetterlingen nicht erwarten: auch Falter können austeilen. Die Männchen des Kleinen Fuchses besetzen tagsüber Territorien, aus denen sie vorbeifliegende andere Falter oder sonstige größere Insekten verfolgen und vertreiben. So nutzt der Nesselfalter zum Beispiel besonnte Holzstöße als Ansitzplatz und fliegt von dort lästige Konkurrenten an. Ein ähnliches „Revierverhalten“ können wir auch bei einigen anderen Edelfalter-Arten beobachten, etwa beim Admiral, Tagpfauenauge und Trauermantel.

Nach der Überwinterung sind die Tiere noch von März bis April aktiv und pflanzen sich dann fort. Hat das Männchen eine passende Dame entdeckt, folgt er ihr und zeigt ihr auf eigentümliche Weise seine Zuneigung. Er beginnt, mit seinen Fühlern auf ihren Flügeln zu trommeln. Wenn man nah genug ist, kann man das tatsächlich hören! Anschließend beginnt eine artistische “Verfolgungsjagd” der beiden Verliebten. Nach der Paarung bzw. nach der Eiablage sterben die erwachsenen Falter. Während wir also im Frühjahr noch die Überwinterungskünstler sehen, sind es in den Sommer- und Herbstmonaten bereits deren Nachkommen – die neue Generation des Kleinen Fuchses.

Wer einen Garten besitzt, hilft dem Kleinen Fuchs am besten mit wilden Ecken. Brennnesseln sind kein Unkraut, sondern eine wichtige Bereicherung, auf die u.a. dieser Schmetterling angewiesen ist. Den erwachsenen Faltern sollten wir heimische Nektarpflanzen anbieten – hierzu gehören zum Beispiel Klee oder Flockenblumen, und auch die schön anzusehenden Disteln sollten deshalb nicht bekämpft werden, sondern ihren Platz im Garten haben.

Ich arbeite beim WWF Deutschland und bin dort zuständig für das Jugendprogramm. Nebenberuflich absolviere ich eine Ausbildung zum Naturerlebnispädagogen bei CreNatur sowie zum Wildnispädagogen bei der Wildnisschule Hoher Fläming. Ich liebe es, in der Natur unterwegs zu sein, ob zu Fuß, im Kanu oder mit dem Fahrrad. Es vergehen schnell Stunden, in denen ich mich ausdauernd in der Naturfotografie ausprobiere oder einfach den Moment genieße, beobachtender Teil der Natur zu sein. Achtsamkeit, Respekt für die Natur und Begeisterung für ihre Schönheit liegen mir sehr am Herzen.

1 Kommentar

  • Christiane Eichberger-Cammarata

    Danke für diesen sehr interessanten Einblick in das Leben des Kleinen Fuchses! Ich bin erstaunt, dass wir SO viele verschiedene heimische Schmetterlings-Arten haben, und dass nur ca. 180 Arten davon Tagfalter sind. Und auch diese sieht man leider nicht alle, da die moderne Landwirtschaft und unser sonstiger Raubbau an der Natur sie wohl in entlegenste Winkel vertreibt, wo sie noch die Pflanzenarten finden, auf die sie angewiesen sind.
    Die Metamorphose der Schmetterlinge ist wahrhaftig außergewöhnlich und etwas “gruselig”, aber hier sehr anschaulich beschrieben. Wie schön, dass der kleine Fuchs sogar den Winter überstehen kann. Sie haben’s echt nicht leicht, diese hübschen, anmutigen
    Geschöpfe, die scheinbar so frei und sorglos umherfliegen, von einer Blüte zur nächsten.
    Das Revierverhalten konnte ich schon mal bei den Admiralen beobachten. Dass der Kleine Fuchs trommelnd um seine Herzdame wirbt, ist auch sehr interessant. Ob er ihr vielleicht mit Morsezeichen etwas sagt? 😉
    Schade nur, dass die Schmetterlinge dann “gehen müssen, wenn es am schönsten ist” 😞
    Vielen Dank auch für den Appell, die Brennnesseln und Disteln im Garten zu belassen! Sie sind ja auch für uns Nahrung und Heilmittel und sehen wunderschön aus. Ich kenne da einen besonders prächtigen, naturbelassenen Garten, in dem sich Schmetterlinge, Bienen, Hummeln u. a. wie im Paradies fühlen, 💗 und ich konnte mich gar nicht satt sehen an all den herrlichen Farben und Formen. Hoffentlich geht der 🌿💚🍀 Trend weiter, dass immer mehr Menschen auch die tristen, grauen Städte in blühende Landschaften verwandeln. 💓
    🌸🌷🌻🍀🌺🍁🌼🍃 Jede Seedbomb, jeder kleine Balkonkasten, jeder Grünstreifen zählt! 🙏🐦🌿🐝🍀🐞🌻

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